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Schau nie zurück, dort sind nur Scherben...

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Ich lach mich tot

Für ihn brach bei der Gruppensitzung eine Welt zusammen, natürlich war eine solche Reaktion darauf zu erwarten.
Dennoch war es gut, dass er seine Taten offen gelegt hat, aber jetzt steht er bereits vor der nächsten Herausforderung, ob sie wieder in Trümmern endet.
Wie wird Finja reagieren?
Was wird Lars danach tun? Den selben Fehler mache ich kein zweites Mal, alle möglichen, spitzen Gegenstände werden aus seinem Zimmer verbannt. Aber kann ihn das wirklich davon abhalten?

30.4.07 10:48


So hätte es nicht kommen müssen

Ja, es hätte anders laufen können, aber es ist nicht anders gelaufen. Warum eigentlich? Ich hätte mich zusammenreißen müssen, aber ich war auf einmal so enttäuscht von Finja, nachdem sie sagte, sie könne nicht anders, als jeden einzelnen Wunsch ihrer Eltern zu befolgen. Aber ich hätte ihr diese gemeinen Dinge nicht sagen müssen... Zwar sagte sie, sie käme wieder, aber so sicher bin ich mir dessen nicht. Im Grunde habe ich es nicht verdient, sie wiederzusehen.

Diese Nacht ist endlos. Ich gestehe es nicht gern, aber die nächtlichen Sitzungen hatten bisher etwas für sich. Jetzt ist dieser Raum wieder so kalt und weiß und verdammt leer, dass ich es kaum aushalte. In meinem Kopf herrscht Funkstille. Ich dachte wirklich, wenn es mir einmal gelingen sollte, Nicole von dort fortzuschicken, im wahrsten Sinne des Wortes "den Stecker zu ziehen", wäre das in Ordnung und ein Zustand, wie er kaum schöner sein könnte. Aber nichts ist. Ich fühle mich immer noch genauso schlecht wie zuvor, wenn nicht sogar schlimmer.

Ich hasse das. Ich hasse mich.
Nicht einmal das Traumtagebuch kann ich in diesem Zustand weiterführen - ich konnte zwar vorher noch nie gut schlafen, aber in dieser Stille ist es wirklich unerträglich, um nicht zu sagen: unmöglich geworden.

Verdammt... verdammt... verdammt...

17.4.07 13:47


Borderline?

Was ist nur los mit ihm?
Wenn ichs nicht besser wüsste, würde ich auf eine hormonell bedingte Überfunktion, die meist bei Frauen während einem monatlichen Zyklus im Teenageralter auftritt tippen.

Sein Verhalten stellt mich wirklich vor ein Rätsel, erst gut - was auch immer gut bei Lars heißen mag - gelaunt, dann tief traurig und betrübt.
Diese Stimmungsschwankungen, hinzu kommen Beleidigungen, die ich ja gewöhnt bin, aber dennoch ist es diesmal anders.
Er ist viel zu gereizt, viel zu emotional, hoch tief - hoch tief - hoch tief,
er wird doch nicht etwa, aber die Anzeichen sind da.

Gereiztheit, emotionale Unsicherheit und Schwankungen.
Der Verdacht liegt nahe, zu denken, dass Lars an Borderline erkrankt ist.
Ich meine, die Jahre hinweg, wem ist das schon großartig aufgefallen, nicht mal ich hab es bis jetzt gemerkt. Armer Lars, sag ich da nur, was steckt noch alles in ihm?

15.4.07 22:27


Der erste Durchbruch

Mein Patient hat endlich einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Wunderbar, einfach wunderbar, ich freue mich so für ihn.

Endlich ist es ihm bewusst geworden, dass er mir nichts mehr vormachen sollte, nur damit er es irgendwie übersteht, damit er es wieder hinter sich lassen kann. Endlich scheint die Therapie zu anzuschlagen. Ich bin richtig stolz auf ihn.

Er stellt sich nun endlich den Dingen, seine Träume werden immer deutlicher und einerseits auch schlüssiger, allerdings stehen wir immer noch am Anfang. Aber das wird, dessen bin ich mir sicher.

Ich kann das gar nicht oft genug sagen, aber er macht das wirklich gut.
Ich stelle mir das sehr schwer vor, ich meine, wenn man sein Leben lang diesen Weg gegangen ist, einfach alles hinter sich zu lassen und nur für den Morgen lebt...dann, eines Tages einzusehen, so geht es nicht weiter. Wirklich bewundernswert.

6.3.07 15:51


Die erste Nacht...

...war sehr anstrengend. Nicht nur die Tatsache, dass es Nacht war, nein, stellt euch vor, ein Kind soll euch etwas erzählen, über das es partout nicht sprechen will.
28.2.07 16:34


Mein Patient

Nicht zu fassen, er hat mein Vertrauen völlig missbraucht.
Er hat seine Medikamente nicht genommen.
Wahrscheinlich denkt er sich auch noch, mist, warum hab ich das nur gesagt?

Tja, denkste Freundchen. Dann gibt's eben Spritzen - und Nachtschicht.
28.2.07 16:26


In der 8. Woche/Zweite Sitzung mit Finja

TheDoctor: Hallo Lars
ThePatient: Hallo
TheDoctor: wie geht es Ihnen?
ThePatient: Besser. Und wenn ich Finja sehe, bestimmt wieder gut.
TheDoctor: Sind Sie aufgeregt?

ThePatient: Was soll denn die Frage?

TheDoctor: Sind Sie aufgeregt?
ThePatient: Hm. Ja. Ein bisschen

TheDoctor: Bevor Finja kommt, möchte ich Sie nochmals an unser letztes Gespräch erinnern.
ThePatient: Wenn es sein muss.

TheDoctor: Sie halten sich nicht zurück, was ihre Gedanken betrifft.
ThePatient: Ich sage, was ich möchte.

TheDoctor: schon klar. Aber vermitteln Sie Finja nicht den Eindruck, dass Sie ihr etwas verheimlichen wollen. Sie ist ihretwegen hier.
ThePatient: Ich sage, was ich möchte und wenn ich etwas nicht sagen will, sage ich es auch nicht. Punkt. Warum schweigen Sie?

TheDoctor: Weil,... weil,... ganz gleich was ich Ihnen jetzt sagen würde, es... ach, lassen wir das
ThePatient: Aber was ist denn?

TheDoctor: nichts
ThePatient: Dann... Kann ich jetzt zu Finja?

TheDoctor: ja ja (dieser sture Esel...grummel....grummel...)

ThePatient: Hallo, Finja
Finja: Hallo Lars
ThePatient: Wie geht es dir?
Finja: gut und dir?
ThePatient: Wenn ich dich sehe, geht es mir ebenfalls gut. Wie war deine Woche?
Finja: ziemlich anstrengend
ThePatient: Hattest du viel in der Schule zu tun?
Finja: ich hab am Montag eine Arbeit in Franz geschrieben. naja, und es war nicht so toll
ThePatient: Nicht gut hinbekommen?
Finja: bin froh, wenn das Schuljahr vorbei ist und ich es endlich abwählen kann. ich konnte mich nicht so gut konzentrieren
ThePatient: Oh. Warum nicht?
Finja: ich hab mir ziemlich viel Gedanken um unsere letzte Sitzung gemacht und meine Eltern haben mich genervt und meine kleine Schwester auch
ThePatient: Das... tut mir leid.
Finja: oh nein, das muss es nicht. ich mein, ich war in Franz noch nie gut, also mir wird schon niemand den Kopf abreißen. dafür lief mein Deutsch-Aufsatz am Mittwoch gar nicht mal so schlecht. ich glaub der ist wirklich gut geworden
ThePatient: Worüber habt ihr denn geschrieben?
Finja: wir hatten 2 themen zur Auswahl und sollten eine Argumentation schreiben
ThePatient: Und worum ging es dabei?
Finja: das erst war, wie mobil machen uns Autos. und das zweite war sollten Kinder mehr Rechte haben
ThePatient: Und... und was ... was hast du genommen?
Finja: das zweite natürlich
ThePatient: Was hast du denn geschrieben?
Finja: naja, dass von Kindern oft mehr Verantwortung erwartet wird und dass ihnen mehr Pflichten und Aufgaben aufgebürgt werden, aber auf der anderen Seite steht man ihnen nicht mehr Rechte zu und dass das nicht in Ordnung sei
ThePatient: Und was für ein Beispiel hast du dafür gewählt?
Finja: naja, das z.B. ein Kind nicht selbst entscheiden darf, mit wem es gerne zusammen sein möchte. oft hört man da nur: dafür bist du noch zu jung, das entscheiden wir für dich, obwohl sie die Person doch gar nicht kennen. warum sagt denn niemand, lass uns den oder diejenige erst mal kennenlernen und dann entscheiden? aber nein, erwachsene sind ja so tolerant und aufgeschlossen. aber wenn wir kinder uns mal weigern, dann wird das als bockig, zickig oder Trotz abgetan und wir müssen dann doch tun, was die erwachsenen wollen. denn sie wissen es ja besser. mag sein, dass sie mehr erfahrungen haben, aber das betrifft doch nur ihr leben. ich meine, meine eltern sind doch nicht ich
ThePatient: Das stimmt. Leider respektieren Erwachsene Kinder nicht genug, da hast du Recht. Hoffentlich kommt das auch bei deiner Lehrerin an. Und sie tut es nicht als "realitätsfremd" ab.
TheDoctor: das hab ich gehört...
ThePatient: Ist doch wahr... Wer hat mir hier denn Realitätsferne bescheinigt? Nur weil ich mit Kindern zuweilen besser klarkomme als mit Erwachsenen
TheDoctor: Lars, ich glaube Sie verwechseln etwas
ThePatient: Was soll ich jetzt schon wieder falsch verstehen?
TheDoctor: ihre Realitätsferne bezieht sich auf ihre Halluzinationen, nicht auf ihren besseren Umgang mit Kindern. natürlich verstehen Sie sich besser mit Kindern, aber das hat auch einen völlig anderen Grund
ThePatient: Aber ich dachte...
TheDoctor: was haben Sie gedacht?
ThePatient: Ich dachte, das bezog sich auf unsere Diskussion über den Paragraphen 176... Weil... weil ich gesagt habe, dass ich ihn teilweise sinnlos finde.
TheDoctor: nein, das hat nichts zu tun. denn aus ihrer Sicht, ist er auch sinnlos, aber das heißt nicht, dass ihre Sicht realitätsfremd ist, sie basiert nur auf einem anderen Grund. Finja, mich würde sehr interessieren wie ihre Lehrerin ihre Arbeit bewertet, würden Sie sie mitbringen, sobald Sie sie haben?
Finja: Lars, alles in Ordnung?
ThePatient: Das ist richtig so, dass Sie Finja siezen. Ja... alles in Ordnung. Du weißt doch, mein Therapeut und ich haben desöfteren kleine Meinungsverschiedenheiten.
TheDoctor: Natürlich sieze ich Finja.
ThePatient: Andere Erwachsene tun das nicht. Soviel zum Thema "Kinderrechte". Andere meinen, sich alles herausnehmen zu dürfen, nur, weil sie mit einem Kind sprechen. Als ob ein Kind weniger wert wäre.
TheDoctor: in der englischen Sprache gibt es kein Sie, aber deswegen ist man nicht weniger wert
Finja: Ja, ich denke, dass ich die Arbeit das nächste mal mitbringen kann.
ThePatient: Ich hoffe, dass du eine gute Note hast. Auf jeden Fall verdienst du sie
Finja: hoffentkich sieht das meine Lehrerin auch so
ThePatient: Und wenn nicht, stehen ich und mein Therapeut immer noch auf deiner Seite. Und ich würde deiner Lehrerin sonstwas erzählen, sollte sie den Aufsatz schlecht bewerten - wenn ich könnte.
TheDoctor: Ich nehme an, dass ihre Lehrerin sachlich an das Thema herangeht
ThePatient: Warum mischen Sie sich eigentlich ständig in das Gespräch ein? Finja kann selber antworten.
Finja: ach du.
ThePatient: Hm?
TheDoctor: Ich bin schon still.
Finja: Ach Lars, lass doch. Er hat es doch nur gut gemeint.
ThePatient: Er nervt mich. Ich bekomme davon Kopfschmerzen.
Finja: Aber er ist doch dein Therapeut.
ThePatient: Ja, aber ich habe ihn mir nicht ausgesucht.
Finja: echt? von deinem therapeuten?
ThePatient: Ja, von wem denn sonst? Von dir ganz bestimmt nicht. Höchstens noch von irgendwelchen dummen Gedanken. Und so.
Finja: was für gedanken?
ThePatient: Ach, das übliche. Manchmal, seit letzte Woche habe ich manchmal, dass Gefühl, ob noch irgendjemand im Raum wäre, obwohl da nichts ist. Als ob ich etwas aus dem Augenwinkel wahrnehmen würde, einen Schatten oder etwas ähnliches, aber wenn ich nachschaue, kann ich nichts entdecken. Oder von Alpträumen. Ja, manchmal träume ich sogar schon Dinge, die mir Kopfschmerzen bereiten. Oder ich träume sie, weil ich Kopfschmerzen habe.
Finja: das tut mir leid, kann man da denn gar nichts machen?
ThePatient: Ich glaube nicht. Nicht, solange ich die Tabletten bekomme. Schlecht ist mir seit letzte Woche auch noch. Und wenn ich zu lange auf eine helle Fläche schaue, kommt es mir vor, als ob sie sich rötlich färbt. Letzte Nacht habe ich übrigens auch etwas schönes geträumt.
Finja: was hast du geträumt?
ThePatient: (Lars hüstelt) Ich habe von dir geträumt.
Finja: oh, echt?
ThePatient: Ja, wirklich. Es war mein erster wirklich schöner Traum von dir, den ich hier hatte. Die anderen waren meist mit irgendetwas Schrecklichem gemischt, aber nicht der. Das ist ein Meilenstein! Ich habe sogar überlegt, ob ich in meinem Tagebuch nicht eine Liste für solche Ausnahmefälle anlegen soll.
Finja: erzählst du mir den Traum, bitte.
TheDoctor: (Therapeuten Ohren spitz)
ThePatient: Äh... also... der... nun... wir... Bitte, du darfst jetzt nichts falsches denken
Finja: mach ich nicht
ThePatient: Also gut... Im Traum... haben wir beide... miteinander geschlafen. Aber nicht so, wie du jetzt vielleicht denkst, sondern... viel schöner.
Finja: aha
ThePatient: Du wolltest es wissen... Du bist mir jetzt nicht böse, oder?
Finja: nein, es war bestimmt ein sehr schöner traum
ThePatient: Aber im Anschluss darauf kam sofort irgendetwas anderes. Dass mir die Pulsadern aufgeschnitten würden, aber ich davon nicht sterben konnte.
Finja: dir wurden was? aber das ist doch schrecklich
ThePatient: Naja... im Traum konnte ich die Narben sehen... Nimm das nicht ernst, ich träume ständig irgendso einen Müll.
Finja: aber das ist doch kein müll, das bedeutet doch etwas, oder herr doktor bergmann?
TheDoctor: naja, ja, es hat etwas zu bedeuten
Finja: Lars, du kannst doch nicht sagen dass das nur so ein Müll ist, ich meine ich weiß ja nicht viel über Träume, aber mein Therapeut ha mir auch gesagt, dass die sehr wichtig sind und dass sie mit unserer Seele zu tun haben
ThePatient: Aber... ich träume ständig nur solche Sachen und ich bin die Interpretation langsam leid.
Finja: aber du hast doch gesagt, dass es dieses mal anders war als sonst. also ist das doch schon was
ThePatient: Das war nur der eine Traum. Er war ziemlich kurz. Im Gegensatz zum Rest. Ich will so etwas nicht träumen und ich will nicht darüber nachdenken ... Hast du denn auch solche Alpträume, Finja? Oder wie kommt dein Therapeut darauf?
Finja: nein, das ist schon lange her. mein therapeut hat mich mal danach gefragt. nachdem du weg warst, also nach deiner verhaftung hab ich ziemlich komische sachen geträumt
ThePatient: Was... was für Sachen?
Finja: ich hab von dir geträumt und dann warst du plötzlich jemand fremdes. und dann hatte ich angst. doch du hast mir gesagt, dass ich keine angst haben müsse und dann hast du mich in den arm genommen. doch dann hast du so komisch geschaut und dein blick hat mir angst gemacht. ich habe versucht mich von dir zu lösen, doch du wolltest mich nicht loslassen. du sagtest irgendwas von nicole, so genau erinner ich mich nicht mehr. ich rief immer, ich bin finja. Finja! dann sahst du mich erschrocken an und wiederholtest meinen namen. du brachst vor mir zusammen, sankst auf deine knie, immer wieder batest du um verzeihung. du würdest immer alles falsch machen. ich kniete vor dich und sagte, dass das nicht stimmen würde. du hast geweint und mich angesehn. und dann... dann haben wir... wir haben uns geküsst
ThePatient: Und... dann?
Finja: dann hast du mich weggestoßen und mich beschimpft. du sprachst zu mir, als sei ich nicole. ich sagte immer wieder nein nein nein. an dieser stelle hat mich meistens meine mutter geweckt, weil sie meine rufe hörte
ThePatient: Das... das... das tut mir leid, dass du meinetwegen solche Dinge geträumt hast. Was hat deine Mutter gesagt?
Finja: sie fragte ob ich schlecht geträumt habe und nahm mich dann in den arm. die träume hörten nicht auf und meine eltern gingen mit mir zu einem therapeuten. am anfang, also kurz nach deiner verhaftung hatte das jugendamt einen therapeuten gestellt aber den mochte ich nicht. der hat mir meist gar nicht richtig zugehört. und fast nur mit meinen eltern geredet
ThePatient: Therapeuten können einem ganz schön auf die Nerven gehen, was?
Finja: aber den, den ich jetzt habe, ist viel besser
ThePatient: Das freut mich.
Finja: haha, ja. der erste hat immer nach knoblauch gestunken. und der hat immer so ... gemacht
ThePatient: Igitt
Finja: hahaha
ThePatient: Aber... aber jetzt hast du keine Alpträume mehr?
Finja: nein. ich hab mit meinem therapeuten sehr viel darüber geredet
ThePatient: Worüber habt ihr geredet?
Finja: wir haben jedes detail des trumes immer und immer wieder auseinandergenommen, um zu versuchen, es zu verstehen, was damit gemeint ist. weil ich ja immer wieder den selben traum hatte. mir war ja klar, dass das im traum nicht du bist, also nicht wirklich, aber es stellte eben meine ängste dar
ThePatient: Ich verstehe nicht...
Finja: es waren ja nur gedanken, nichts reales. natürlich war der letzte abend wichtig
ThePatient: Aber...?
Finja: aber ich kannte den "anderen" lars ja nicht wirklich, diesen fremden. und deswegen hat mir mein therapeut geraten, mich immer wieder auf den lars zu konzentrieren, den ich eigetnlich kenne. also dich
ThePatient: War... war das denn zwischendurch jemand anders, im Traum?
Finja: er hat ausgesehen wie du, aber er war böse und ganz anders wie du
ThePatient: Wie... anders?
Finja: er hat mir weh getan, und ich weiß, dass du das nie tun würdest. seine stimme war auch annders, viel bedrohlicher. auch sein Blick war... er hat mir angst gemacht
ThePatient: Meine Güte, ich wünschte, ich könnte mich an den letzten Abend erinnern.
TheDoctor: Lars, ich weiß ich sollte eigentlich still sein, aber vielleicht gibt es etwas, dass ihnen helfen könnte, sich wieder zu erinnern.
ThePatient: Was meinen Sie?
TheDoctor: Wir könnten es mit Hypnose versuchen.
ThePatient: Hyp...nose?
TheDoctor: Unter Hypnose werden verlorengegangene Wege zu ihrem Unterbewusstsein, wieder hergestellt.
ThePatient: Und wie funktioniert das?
TheDoctor: Sie werden in Trance versetzt und der Hypnotiseur wird ihrem Unterbewusstsein Fragen stellen, um die Erinnerung wieder herzustellen. Sie würden sich danach, wieder an alles erinnern. Es löst die Blockade, die ihr Unterbwusstsein, als Schutzschild geschaffen hat.
ThePatient: Und dann würde... alles zurückkommen?
TheDoctor: ja
ThePatient: Ich weiß nicht, ob ich das alles wieder wissen will...
TheDoctor: Man kann Sie jederzeit aus der Trance zurückführen, sollte es zu viel sein. Es wären mehrere Sitzungen, denn natürlich darf man Ihnen nicht die ganze Erinnerung auf einmal zumuten. Aber Ihnen muss auch bewusst sein, dass es einen Grund gibt, warum Sie sich nicht mehr daran erinnern können.
ThePatient: Ich dachte... weil ich Drogen genommen habe?
Finja: du hast was?
ThePatient: Was?
Finja: Lars, du nimmst Drogen?
ThePatient: Nein... ich... bitte, versteh das nicht falsch... ich... Ja, ich habe mal welche genommen, aber... Aber... das... das war ein Missgeschick... Ich wusste nicht, was das für Drogen waren und...
Finja: warum hast du sie denn überhaupt genommen?
ThePatient: Weil... Weil ich... mir ging es schlecht und ich dachte, das würde wenigstens etwas Ablenkung bringen und ich müsste nicht mehr über das alles nachdenken. Ich... Ich wollte mir eine Art mentalen Kopfschuss geben, verstehst du?
Finja: ich verstehe nicht, was du damit meinst
ThePatient: Was verstehst du nicht?
Finja: das mit dem mentalen Kopfschuss
ThePatient: Naja, als ob man sich eine Kugel durch den Kopf jagen würde, nur eben nicht real, sondern auf mentaler, auf geistiger Ebene
Finja: heißt das, dass du sterben wolltest?
ThePatient: Nein! Ich wollte einfach nur vergessen können
TheDoctor: (Therapeut: Das ist ihnen ja gelungen) Es tut mir leid, aber ich muss die Sitzung nun beenden.
ThePatient: Das können Sie doch nicht einfach machen... Ich habe mit Finja doch nicht einmal eine halbe Stunde lang gesprochen
TheDoctor: Lars, das waren jetzt beinahe 2 Stunden. Sie können das nächste mal wieder hier ansetzen, aber nun muss ich die Sitzung beenden. Finja, bitte verabschieden Sie sich für heute von Lars.
ThePatient: Finja, sag dem irgendetwas. Er kann jetzt nicht einfach Schluss machen.
Finja: Aber wir waren doch noch gar nicht fertig, ich dacht ich bin hier, um Lars zu helfen, da können Sie mich doch nicht einfach wieder wegschicken. Das hat er nicht verdient, so behandelt zu werden.
TheDoctor: Lars, es spielt keine Rolle, was Finja sagt, die Zeit ist jetzt um. Ich weiß, warum Sie hier sind, Finja und das schätze ich auch sehr, aber die Zeit ist jetzt um.
ThePatient: Oh, Sie kotzen mich an!! Und Sie können sich noch 1000mal für diese Zwangsjacke bedanken!
TheDoctor: Danke! Danke! Danke! reicht das?
ThePatient: Soll ich jetzt lachen?
TheDoctor: Finja, verabschieden Sie sich jetzt.
ThePatient: Es tut mir leid, Finja, dass wir uns nicht öfter sehen können.
Finja: Lars, ich komm nächste Woche wieder, versprochen.
ThePatient: Aber bis nächste Woche ist es noch so lange hin...
Finja: ich weiß
ThePatient: Dann bis nächste Woche, Finja...
Finja: (Finja, schaut zum Therapeuten, der räumt gerade seine Akten auf, Finja küsst Lars)
ThePatient: (Lars ist völlig überrascht)
Finja: tschüss, Lars. (Finja winkt noch kurz, bevor sie den Raum verlässt)
ThePatient: (und Lars wünscht sich, zurückwinken zu können) Auf Wiedersehen, Finja...
TheDoctor: Ich bin gleich wieder bei Ihnen. (Der Therapeut begleitet Finja nach draußen und kommt dann wieder zurück) Was sollte das eben?
ThePatient: Was meinen Sie?
TheDoctor: Wenn ich sage, dass die Sitzung beeendet ist, dann müssen Sie das akzeptieren, Sie können doch nicht versuchen, Finja, vorzuschieben. Damit sie sich etwas für Sie einfallen lässt.
ThePatient: Auf mich hören Sie ja nicht.
TheDoctor: Soll ich Ihnen sagen, wieviel Zeit Ihnen mit Finja, pro Woche zusteht? hm? 90 Minuten, nicht mehr. Ich bin Ihnen entgegengekommen und habe überzogen, aber mehr ist nicht drin. Und das ist etwas, dass sie schleunigst akzeptieren müssen. Auch wenn es Ihnen nicht passt.
ThePatient: Ich hasse diese Klinik...
TheDoctor: grummel...grummel... wer tut das nicht
ThePatient: Sagen Sie, Ihr Angebot mit der Hypnose, steht das noch?
TheDoctor: ja
ThePatient: Ich... ich möchte es annehmen.
TheDoctor: Ich werde einen Antrag stellen, und darum bitten, dass Finja, bei den Sitzungen dabei sein darf. Es ist sehr förderlich, wenn jemand bei ihnen ist, der auch dabei war. allerdings können wir mit der Hypnose erst beginnen, wenn wir ihre Medikamentendosis herabgesetzt haben
ThePatient: Dann tun Sie das. Die Kopfschmerzen nerven mich ohnehin schon. Und der Rest auch.
TheDoctor: Sie bekommen heute abend ein anderes Präparat. Bitte, bitte, das mach ich gerne.
ThePatient: Aber ich möchte nicht, dass es zuviel für Finja wird.
TheDoctor: Es wird noch mit ihrem Therapeuten besprochen. Also hängt es auch von ihm ab. Jetzt muss ich aber los, mein nächster Patient wartet bereits.
ThePatient: Der wird sich freuen, wenn Sie zu spät kommen
TheDoctor: Wir sehen uns morgen wieder. HAHA sehr witzig.
ThePatient: Bis morgen.
TheDoctor: bis morgen.

2.3.07 15:08


Nach 5 Wochen

Endlich ist die Analyse abgeschlossen und wir können nun mit der eigentlichen Therapie beginnen. Dennoch ist die Analyse von Nöten, diese ganzen Fragen und das wühlen in den dunklen Angelegenheiten der Patienten. Nicht das es mir unangenehm ist, aber ich merke immer mehr, wie der Patient, daran zu nagen hat. Die Selbstmordgefährdung stieg von Sitzung zu Sitzung. Manchmal zweifle ich selbst, an dieser Methode der Analyse, sie kann sehr grausam sein, aber auf der anderen Seite, sehe ich keinen Weg schneller an die gewünschten Informationen heranzukommen.

Das Ergebnis der Analyse:
Der Patient ist
- kindisch
- aggressiv
- stur
- realitätsfremd
- panisch
- depressiv
- leidet unter Halluzinationen
- egoistisch
- chauvinistisch
- rückradlos
- kein Selbstwertgefühl
- kindisch
- oberflächlich bishin zur Arroganz

Nun bleibt die Überlegung wie man den Patienten wieder "alltagstauglich" macht. Würde ich ihn jetzt dem Test unterziehen, so würde er auf jeder Linie versagen und das will ich nicht, nein, ich will dass er es schafft und sich nicht aufgibt, nicht so wie mein anderer Patient, der Brandstifter. Er hat sich für die Medikamentenbehandlung entschieden. Auch wenn die meisten der Patienten nicht zurechnungsfähig sind, können sie dennoch selbst entscheiden, welche Art der Therapie sie wählen. Die wenigsten wählen die "weiße Wand", die wenigsten sind dumm oder minderwertig.

Naja, mein Patient und ich haben endlich einen Ansatz gefunden, ihm wirklich zu helfen. Es handelt sich um eine Opfer-Täter-Konfrontation. Hierbei wird sein letztes "Opfer" anwesend sein, und ihr Therapeut, aber zum Glück nur die ersten Sitzungen. Wir werden versuchen ihren Therapeuten von der Notwendigkeit dieser Therapie zu überzeugen, damit er in Ruhe mit Finja sprechen kann. Hoffentlich verrät er sich nicht.

Ich bin schon sehr gespannt darauf.

13.2.07 19:27


Nach der 4. Sitzung

Die Schwäche eines Erwachsenen ist erbärmlich. Warum muss ich mir so etwas bieten lassen? Noch dazu von einem solchen Idioten, der in seinem gesamten Wesen keinerlei Anlass zur Würdigung gibt?

Früher hätte ich es nie zugelassen, dass man mich dermaßen in die Knie zwänge, aber heute merke ich immer mehr, wie ich alles bereitwillig mit mir geschehen lasse. Dabei ist seine Meinung doch wirklich nicht mehr wert als meine! Wer gibt ihm das Recht, mich so zu behandeln, als wäre ich derjenige, der die Fehler macht, während er frei von jeder Schuld ist?

Dieses Irrenhaus macht mich wahnsinnig. In Augenblicken wie diesen spüre ich, wie meinen Füßen jeglicher Boden, der sich einmal unter ihnen ausbreitete, entzogen wird und ich kann mich nicht wehren. Ich sitze eben nicht umsonst hier. Wäre ich nicht der psychopathische Schwächling, der ich bin, könnte ich jetzt ein glückliches Leben mit Finja führen, es wäre niemals so weit gekommen, dass...

Wo ist Finja nur? Wo ist sie? Ich will nie wieder zurück in diese Hölle und wenn ich mir den Kerl anhöre, weiß ich, warum ich Recht habe, was das Thema "Freundschaft" anbelangt. "Freunde sind so etwas wie kostenlose Therapeuten" - nun, die Erfahrung lehrt, Therapeuten sind grauenhaft, dementsprechend können diese Art von Freunden, welche dieser Dummkopf noch anstrebt, nicht besser sein. Ich sage doch: Freunde sind zum Zeitvertreib geschaffen, nicht mehr, höchstens weniger.

Ich will, dass alles vorbei ist - jetzt und sofort, doch der Schmerz in meinem Kopf hört nicht auf, zu pulsieren. Nicole, bitte, lass mich nicht allein. Ich verdiene diesen Schmerz und verdiene noch weitere, viel schmerzhaftere Folter. Ich werde versuchen, mir einzureden, dass ich keine Angst hätte. Siehst du? Ich habe keine Angst. Ich bin hier und du kannst kommen, wann du willst. Und du kannst gehen, wie es dir beliebt. Ich fürchte mich weder vor deiner Gesellschaft noch vor dem Alleinsein.

Ich bin dein Spielzeug, du willst es so. Ich verdiene es. Ich habe keine Angst, ich bin nicht schwach. Ich werde nicht verlieren, ich werde nicht aufgeben. Doch wenn du es willst, verschmore ich sogar im Fegefeuer. Ich bin schlecht, ich habe kein Recht, mich zu beschweren.

27.1.07 11:32


Nr. 2

Ich trat aus dem dunklen Hausflur in meine Wohnung ein, in der bereits helles Licht brannte. Nicole erwartete mich dort und begrüßte mich freudig, lachte ihr schönes Lachen und ich umarmte sie. Die Tür fiel hinter mir ins Schloss, während wir uns zum Empfang küssten. Der Kuss vertiefte sich, je länger wir dastanden und ich stolperte angesichts der hypnotischen Wirkung, die er auf mich hatte, rückwärts, bis ich an die Tür stieß und an ihr niedersank. Nicole beugte sich über mich und lachte mich an: "Halt still", flüsterte sie und ich strich ihr mit der Hand über das Gesicht, bevor ich sie, Nicole gehorchend, zu Boden sinken ließ. Nicole lächelte mich an, dann beugte sie sich vor und leckte mit der Zunge über meine Wange, die Finger ihrer einen Hand nestelten an den Knöpfen meines Hemdes, die andere glitt hinab zwischen meine Beine. Ich half ihr, meine Hose zu öffnen und nahm ihre Hand in die meine; ich wünschte, Nicole würde niemals aufhören, zumal sie ihre Spielchen immer weiter intensivierte. Doch auf einmal ging das Licht aus und Nicole hörte abrupt auf, ließ von mir ab. Alles war finster, vollkommen schwarz, ich konnte nichts erkennen. Vorsichtig tastete ich mit der Hand nach hinten und stellte somit sicher, dass nichts weiter geschehen war, doch Nicole konnte ich plötzlich nicht mehr spüren. Sie war weg. Ich rief ihren Namen, doch sie antwortete nicht. Langsam bekam ich Angst um sie. Ich stand auf und rief sie weiterhin beim Namen, aber wieder war es dasselbe; sie antwortete nicht. Ich lief den Flur hinab, um nach ihr zu suchen und stieß bald an eine Tür, die mir fremd war. Ich rüttelte daran, doch sie war abgeschlossen, bis es mir wie von Geisterhand schließlich gelang, sie zu öffnen. Als ich den Raum betrat, so war dieser hell beleuchtet: Es war ein Schlafzimmer, in dessen Mitte ein großes Bett stand, auf dem wiederum Nicole thronte - nackt und blutend. Sie lächelte mich an, während sie an ihren Unterarmen herumschnitt. "Sieh an", sagte sie, sobald sie mich erblickte, "da bist du ja wieder." Sie setzte sich auf und das Blut tränkte das Laken unter ihr. Je mehr Blut sie verlor, desto alptraumhafter verzerrte sich der Raum, von den Wänden lief ebenfalls Blut, das Material wurde "fleischiger" und Nicole lachte. Sie lachte und lachte. Ihr Lachen schien direkt in meinen Kopf zu dringen, es bohrte sich regelrecht hinein und sie blutete immer weiter. Je mehr sie lachte, desto mehr sprudelte auch das Blut aus ihren Wunden, gleichzeitig taten sich neue auf, die Haut löste sich wieder einmal von ihren Knochen; ich wollte wegrennen, aber die Tür hinter mir war wieder geschlossen, die Wände kamen wieder einmal näher und ich drängte mich immer näher an die Tür, ich wollte weg, konnte jedoch nicht, genauso, wie mein Blick wieder fixiert war. Und auf einmal schossen Messer von hinten aus der Wand und durchbohrten mich - ich fiel, ich fiel einen endlosen Abgrund hinunter und um mich herum waren nur noch blutverschmierte Welten, Nicole, die sich nach mir ausstreckte, mich festhielt, mich zerriss und ich konnte mich nicht wehren. Der Sturz war unendlich und das letzte Bild, das ich wahrnahm war das einer toten, halb verwesten Nicole, die leblos auf der Schaukel des Spielplatzes aus meiner Kindheit lag.
Die restliche Nacht konnte ich nicht wieder einschlafen.
27.1.07 11:27


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